Die Geschichte des Olympischen Skisprungstadions „Giuseppe Dal Ben“ ist eng mit der langen Tradition des Skispringens im Val di Fiemme verbunden. Während eines Großteils des 20. Jahrhunderts wuchsen auf den verschneiten Hängen des Tales Generationen junger Athletinnen und Athleten heran, die ihre ersten Sprünge auf kleinen, oft improvisierten Schanzen und auf den Anlagen absolvierten, die im Laufe der Zeit zur Entwicklung dieser Sportart beitrugen.
Von den ersten Schanzen, die zwischen den 1930er- und 1960er-Jahren errichtet wurden, bis zum Bau der K60- und K30-Schanzen in Stalimen im Jahr 1985 festigte Predazzo seine Rolle als bedeutendes Zentrum des Skispringens. Der entscheidende Schritt erfolgte 1988 mit dem Beginn der Bauarbeiten für das neue Skisprungstadion, das für die Nordischen Skiweltmeisterschaften 1991 konzipiert wurde. Mit seinen internationalen K90- und K120-Schanzen war die Anlage bereits 1990 Austragungsort eines Weltcupspringens und begrüßte 1991 ihre erste Weltmeisterschaft. Damit rückte das Val di Fiemme ins Zentrum der internationalen Wintersportszene.
In den folgenden Jahren wurde das Stadion anlässlich der Nordischen Skiweltmeisterschaften 2003 und 2013 kontinuierlich erweitert und modernisiert. Es entwickelte sich zu einer immer funktionaleren, technologisch fortschrittlicheren und gastfreundlicheren Sportstätte. Gleichzeitig führte das starke Engagement im Nachwuchsbereich zum Bau und zur Erneuerung mehrerer Trainings- und Jugendschanzen, die für die Ausbildung neuer Generationen von Skispringerinnen und Skispringern von zentraler Bedeutung sind.
Im Hinblick auf die Olympischen und Paralympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 erlebte das Skisprungzentrum seine bislang tiefgreifendste Transformation: Die beiden Hauptschanzen wurden vollständig neu errichtet und an die modernsten internationalen Standards angepasst. Heute verfügt die Anlage über eine Großschanze HS141 und eine Normalschanze HS107 sowie über vier Nachwuchs- und Trainingsschanzen, moderne Trainingssysteme und innovative Lösungen, die in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen entwickelt wurden.
Mit drei Nordischen Skiweltmeisterschaften, zahlreichen Weltcup-Wettbewerben und den olympischen Wettbewerben von Milano Cortina 2026 zählt das Olympische Skisprungstadion „Giuseppe Dal Ben“ heute zu den bedeutendsten Zentren des nordischen Skisports in Italien. Es ist ein Ort, an dem Tradition, Innovation und Leidenschaft zusammenkommen und gemeinsam die Zukunft des Skispringens gestalt
Das Skisprungstadion wurde für die Nordischen Skiweltmeisterschaften 1991 in Predazzo errichtet. Als Standort wurde dieses Gelände gewählt, da die Gemeinde dort bereits zwei Nachwuchsschanzen für das Skispringen gebaut hatte. Die Schanzen wurden anschließend mit einem speziellen Kunststoffbelag sowie Keramik-Anlaufspuren ausgestattet, um auch den Trainings- und Wettkampfbetrieb im Sommer zu ermöglichen.
Das Skisprungstadion in Predazzo wurde durch umfassende Fertigstellungs- und Modernisierungsarbeiten weiter ausgebaut. Dazu gehörten die Anpassung der Aufsprunghänge sowie der Anlaufspuren. Darüber hinaus wurden die Beschneiungs- und Beleuchtungsanlagen erweitert und modernisiert, wodurch die Voraussetzungen für noch spektakulärere Skisprung-Wettbewerbe bei Flutlicht geschaffen wurden.
Mit der Vergabe der Nordischen Skiweltmeisterschaften 2013 an das Val di Fiemme zum dritten Mal wurde das Skisprungstadion erneut umfassenden Ausbau- und Modernisierungsmaßnahmen unterzogen. Im Mittelpunkt stand der Bau eines neuen Funktionsgebäudes mit Besprechungsraum für die Mannschaftsführer, Wettkampfbüro, FIS-Büro, Büros des Organisationskomitees, dem Sitz der Marcialonga, sechs Kommentatorenkabinen für Fernsehübertragungen, einem modernen Pressezentrum, einem Arbeitsbereich für Fotografen sowie einem VIP-Bereich für Meetings, Konferenzen und Abendveranstaltungen.
Darüber hinaus wurde eine unterirdische Garage für Pistenfahrzeuge, Schneekanonen und weiteres Material errichtet sowie eine große halbkreisförmige Zuschauertribüne geschaffen, die aus mehreren Tribünensektoren besteht.
Auch die Schanzen wurden umfassend modernisiert, um optimale Bedingungen für Fernsehübertragungen und eine verbesserte Sichtbarkeit zu gewährleisten. Zusätzlich wurden interne Verbindungswege und Infrastrukturen neu gestaltet, um den Zugang zu den verschiedenen Servicebereichen zu verbessern.
Der Kampfrichterturm, der ursprünglich für die Weltmeisterschaften 1991 errichtet worden war, wurde ebenfalls grundlegend saniert. Darüber hinaus wurden die Grünanlagen neugestaltet und die Beschneiungsanlage weiter ausgebaut.
Nach der großen Begeisterung und Zufriedenheit über die Vergabe der Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 begann die Gemeindeverwaltung von Predazzo umgehend mit den Planungen für die Zukunft des Skisprungzentrums. Da der Zustand der Anlage nach fast 30 Jahren Nutzung bekannt war, wurden bereits früh finanzielle Mittel für Machbarkeitsstudien und die umfassende Neugestaltung des Zentrums bereitgestellt.
Im Jahr 2022 begannen die Abbrucharbeiten an den beiden Schanzen sowie am Kampfrichterturm. Gleichzeitig wurde die Zufahrtsstraße zur Anlage ausgebaut. Der Neubau der Schanzen war sowohl aufgrund des Alters und des baulichen Zustands der bestehenden Anlagen als auch zur Anpassung an die aktuellen FIS-Normen und Homologierungsanforderungen erforderlich. Auch der Kampfrichterturm musste talwärts versetzt werden.
Materialien und Einrichtungen, die sich noch in gutem Zustand befanden, wurden entsprechend dem olympischen Gedanken weitergegeben oder verkauft. So wurde der Sessellift an ein lokales Unternehmen veräußert, die Kunststoffmatten der Aufsprunghänge nach Bulgarien und in die Slowakei transportiert sowie teilweise nach Pellizzano (Trentino), wo eine neue HS66-Schanze errichtet wird. Teile der Anlaufspuren wurden ebenfalls nach Pellizzano abgegeben oder als Ersatzmaterial für die kleineren Schanzen in Predazzo aufbewahrt. Metalltreppen und Schutzverglasungen wurden nach Bulgarien verkauft und weiterverwendet.
Die Umbaumaßnahmen umfassen:
Mit der Realisierung des neuen Skisprungzentrums und der umfassenden technologischen Ausstattung wurde die Grundlage geschaffen, Predazzo dauerhaft als eines der modernsten Trainingszentren für Skispringen und Nordische Kombination zu etablieren und sowohl der italienischen Nationalmannschaft als auch zahlreichen internationalen Teams optimale Trainingsbedingungen zu bieten.